SAVE THE DATE MCBW 2027 – 10–16. MAI 2027
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BMW Group

Design in einer Welt, die nicht stillsteht

Oliver Heilmer, Leiter Design für die BMW Kompaktklasse, Neue Klasse und BMW M, sprach mit uns über das Entwerfen von Erlebnissen, das Navigieren durch Komplexität und das Finden von Freude an neuen Orten.

Man würde vielleicht erwarten, dass Oliver Heilmer mit der Ästhetik beginnt, wenn er beschreibt, wie sich das Automobildesign verändert hat. Stattdessen wendet er sich dem viel ganzheitlicheren Konzept des Erlebens zu. „Früher haben wir primär das Objekt gestaltet. Oberflächen, Linien, Haltung, Details“, erklärt er mir in unserem Gespräch darüber, wie sich eine stärkere Fragmentierung, sich rasant entwickelnde strukturelle Veränderungen und neue Herausforderungen für Designer:innen und Autohersteller auf den Kreativprozess auswirken. „Heute gestalten wir vielmehr das Erlebnis rund um das Auto, sprich: Interaktion, digitale Momente, Klarheit, Atmosphäre. Die Menschen trennen Materialien nicht von Licht oder UX“, fährt er fort. „Sie erleben alles als eine Realität. Heute ist es also unmöglich, das Physische und das Digitale voneinander zu trennen. Beides definiert sich gegenseitig. Und das verändert unsere Arbeitsweise im Designprozess grundlegend.“ 

Von Fragen zu Erfahrungen
 

Die Neue Klasse und der neue BMW iX3 sind eindrucksvolle Beispiele für diesen Wandel. Der Designprozess erzählt Heilmer, begann nicht mit einem Strich, sondern mit einer Reihe grundlegender Fragen: Was soll man hier empfinden? Wo sollte Komplexität sich auflösen? Was macht das Erlebnis in diesem Fahrzeug gleichzeitig ruhig, intuitiv und unverkennbar zu BMW? „Nehmen wir mal das BMW Panoramic Vision“, sagt er. „Es gibt einen klaren, fast philosophischen Grund, warum es genau dort sitzt, schließlich ist die Windschutzscheibe der beste und intuitivste Ort, um Informationen anzuzeigen. Und wenn man es ausschaltet, ist es nicht nur ein totes Display. Es beeinflusst den Raum, die Aufmerksamkeit das Raumgefühl – nicht als Bildschirm, sondern als Teil der Architektur.“ Was nach einer methodischen Veränderung klingt, ist also eigentlich eine veränderte der Weltanschauung, bei der es letztlich nicht darum geht, Dinge „neu aussehen zu lassen“, sondern konsequent zu definieren, wie BMW in einer neuen Realität existieren soll. Design wird damit zu einer Frage der Identität in einer Welt, in der ein Fahrzeug längst mehr ist als nur ein Produkt. „Die Erinnerung an die Marke ist wichtig“, sagt Heilmer. „Aber diese Erinnerung darf einen nicht einschränken.“ Das Gleichgewicht, das er anstrebt, ist Kontinuität ohne leere Nostalgie. „Der iX3 fühlt sich immer noch unverkennbar wie ein BMW an, auch wenn er etwas völlig Neues einführt. Es passiert weniger – aber es passiert etwas anderes. Was zählt: Er ist zu 100 Prozent ein BMW, auch wenn wir die Definition dessen erweitern, was das bedeutet.

Die sich entwickelnde Sprache von FREUDE
 

Die verbindende Kraft hinter diesem „anderen“ ist jedoch etwas erfrischend Konstantes, selbst wenn man auf die mehr als 100-jährige Geschichte der Marke zurückblickt: FREUDE. „FREUDE entsteht heute aus dem Gesamterlebnis“, betont Heilmer. „Aus den kleinen Momenten, die den großen Unterschied ausmachen. Das hat auch eine praktische Seite: Freude am Fahren entsteht durch Dinge wie bessere Aerodynamik und größere Reichweite. Aber es muss immer noch wie ein BMW aussehen und sich auch so anfühlen.“ Wenn das Physische und das Digitale verschmelzen, können wir für diese neue Realität designen – und haben ganz neue Möglichkeiten, FREUDE zu schaffen, selbst in den kleinsten Momenten der Interaktion.“  Eine Geste auf einem Bildschirm kann beispielsweise die Wahrnehmung eines Materials beeinflussen, eine Lichtanimation die Bedeutung einer Form verändern. Hardware und Software sind nicht mehr parallele Ebenen, sondern stehen in ständigem Austausch – mit dem Ziel, unsere Beziehung zum Auto neu zu definieren. Anders gesagt: Das Objekt ist wichtig, aber das Verhalten, das es hervorruft, ist noch wichtiger. Das klingt einfach, ist es aber natürlich nicht. Die Einführung der Neuen Klasse war ein Wendepunkt für BMW und zwang die Teams, auch ihre Zusammenarbeit neu zu denken. Die UX bestimmte die Proportionen, die Technik beeinflusste die Beleuchtung, die Markenidentität prägte die Materialität. „Wir haben gemeinsam die Spielregeln geändert“, sagt Heilmer. Hierbei sei Kommunikation der Schlüssel. „Ohne Dialog bleibt jeder in seiner eigenen Spur. Wir mussten unsere Zusammenarbeit überdenken – mit dem Bewusstsein, dass wir eine Kultur brauchen, in der Regeln als Möglichkeiten statt Einschränkungen gesehen werden.“ 

Zusammenarbeit: Der neue kreative Motor 

Das bringt uns zurück zum „Playground of Possibilities“, dem diesjährigen Thema der mcbw. Es suggeriert Freiheit, Entdeckung und Bewegung. In Heilmers Welt bedeutet ein Spielplatz nicht die Abwesenheit von Regeln – sondern deren bewusste, absichtliche Gestaltung. Die Überzeugung, dass Design weder in Traditionen erstarren noch sich in Innovation verlieren muss, sondern im Wandel zwischen beiden lebendig wird. „Die Zukunft liegt vor uns, nicht hinter uns“, sagt Oliver Heilmer. „Die Frage ist nicht, ob wir schützen, was wir haben, sondern wie mutig wir voranschreiten.“

Fotos: BMW AG

Der Beitrag zu BMW erscheint außerdem im mcbw magazine 2026.