Eine Woche voller Design. Danke für die mcbw 2026!
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CSMM

Architektur als offenes System denken

Drei Geschäftsführer, ein Credo: Architektur muss inspirieren, nicht inszenieren. Bei CSMM ist man überzeugt, dass uns nichts unmittelbarer beeinflusst als der Raum, der uns umgibt. Architektur wirkt auf Identifikation, Wohlbefinden, Motivation, Arbeitsabläufe, erzählen uns Sven Bietau, Timo  Brehme und Malte Tschörtner, das mache sie nie neutral und immer gesellschaftlich relevant.

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich was verändert.“ Sven Bietau zitiert Einstein, während er über die Zukunft des Bauens spricht. Draußen vor dem Fenster des CSMM-Büros in der Münchner Atelier­straße hat das Team die Transformation des Werksviertels über zehn Jahre live miterlebt, davon achteinhalb Jahre als Baustelle, erzählt Malte Tschörtner und lacht. „Reiner Masochismus, dass wir uns jetzt, wo es fertig ist, den nächsten Ort suchen“, man siedelt bald um in die Lindwurmstraße. Vielleicht ist es genau diese Rastlosigkeit, dieser Drang nach Veränderung und Entwick-lung, was CSMM – architecture matters ausmacht. Ein Büro mit über 100 Köpfen an sechs Standorten, das sich nicht damit zufriedengibt, nur Gebäude zu planen. Das Architektur als gesellschaftlichen Auftrag versteht.

Vom Städtebau bis zur Teeküche

„Playground of Possibilities“ könnte kaum treffender beschreiben, wie die geschäftsführenden Gesellschafter Sven Bietau, Timo Brehme und Malte Tschörtner arbeiten. Ihr aktuelles Bookazine „Build to Belong“, das beim Gespräch rot leuchtend vor uns liegt, spannt den Bogen vom Städtebau bis zur Teeküche. Weil es aktuelle Projekte abbildet, fasst es gleichwohl zusammen, welche Fragen ihrer Arbeit zugrunde liegen: Was braucht es, damit ein Ort wohltuend, identitätsstiftend wirkt? Und was steht der Entwicklung dahin im Weg? „Gute Architektur gestaltet Möglichkeitsräume für Menschen, sie antizipiert  Wandel, denn die Anforderungen von heute sind selten die der Zukunft“, erklärt Brehme, oft baue man für Nutzer:innen, die man noch nicht kenne. „Ein Bebauungsplan entspricht manchmal schon nach fünf Jahren nicht mehr aktuellen Bedürfnissen. Das erleben wir gerade im Sugar Valley in Obersendling, wo wir beratend tätig sind. Ein ehemaliger Industriestandort wird zum Stadtquartier umgestaltet. 

Aktuell ist der Bedarf an Wohnraum höher als an Büroflächen, das wurde anders fixiert. So lässt sich dieser Wandel schwer umsetzen.“ Es ist diese Starrheit, gegen die CSMM anarbeitet. Die Überzeugung, dass Architektur zu deterministisch geplant wird. „Wir legen uns im Städtebau fest: Ist das ein Wohnhaus, ein Büro, ein Hotel? Und fixieren das quasi für immer“, kritisiert Brehme. „Das kann nicht das Ziel von Architektur sein, sich in solche Korsetts zu legen.“ Projekte wie die Revitalisierung der Mollstraße in Berlin oder der Leopoldstraße in München zeigen, wie CSMM diese Haltung umsetzt: Es geht um ganzheitliche Transformation – kulturell, energetisch, strukturell.

Beratung als Schlüssel

Wie überzeugt man also Investoren davon, dass Flexibilität wirtschaftlich sinnvoll ist? Wie plant man für ebenjene Nutzer:innen, die es noch gar nicht gibt? „Die Beratung steht für uns ganz weit vorne“, betont Sven Bietau. „Bevor man überhaupt über eine architektonische Lösung nachdenkt, geht man in den Diskurs.“ Der Kunde habe meist nur ein Bild, eine einzige Lösung vor Augen. „Dieses Befähigen seines Gegenübers, in dem Diskurs Neues zu entwickeln, ist einer der wichtigsten Schritte am Anfang. In dem Moment, wo die Parameter fixiert sind, das Geld verplant ist, rollt der Zug und ist nur in wenigen Fällen noch kreativ aufzuhalten.“

Es ist sein Wunsch, mit guter Beratung an der Schnittstelle zwischen Raum und Verhalten zu wirken. Sein Terrain: Workplace-Strategien, die sich für die Arbeitswelt seit der Pandemie fundamental verändert haben. „Relativ einfach gesagt ist nichts mehr, wie es vorher war“, fasst Malte Tschörtner zusammen. „Was für uns extrem positiv ist: Ein durchschnittliches Büro hat überhaupt keine Chance mehr. Das Büro muss ein Gegengewicht zum Homeoffice sein, ein Gegenargument.“ Tschörtner, der sich selbst als Generalist bezeichnet, ist der originären Architektenrolle vielleicht am treuesten geblieben. Alle drei sind sich einig, dass es in Büroräumen nicht um Abarbeitung, sondern um Inspiration gehen muss. Um Orte des Zusammenkommens, der Kommunikation und des Austauschs: „70 Prozent der Bevölkerung benötigen das Büro, um einen sozialen Anschluss an die Gesellschaft zu haben. Die Arbeit hat einen sozialisierenden Auftrag“, so Bietau. Die Gefahr, dass Menschen im Homeoffice vereinsamen, dass kreative Prozesse verloren gehen, ist real.

Die Qualität von Togetherness

„Togetherness und Zugehörigkeit“ nennt CSMM als gesellschaftliche Qualität. Aber wie plant man dafür? Wie schafft man Räume, die Menschen zusammenbringen, ohne sie zu zwingen? Es geht um die Balance, meint Timo Brehme: Architektur muss verschiedene Bedürfnisse antizipieren und Optionen schaffen. CSMM denkt Gebäude, Stadträume und Innenräume als offene Systeme – als Möglichkeitsräume, die aus dem Bestehenden heraus gedacht und für die Zukunft weiterentwickelt werden. Architektur entsteht nicht als fertiger Zustand, sondern als wandelbares, lernfähiges System. „Mit Neugier und Respekt Strukturen schaffen, die Veränderung ermöglichen statt sie zu begrenzen“, so beschreibt CSMM es selbst. Und die zugleich Togetherness und Zugehörigkeit als gesellschaftliche Qualität unterstützen. Raumgestaltung spielt dabei eine zentrale Rolle. Es geht um Visualisierung, die Fähigkeit, Möglichkeitsräume sichtbar zu machen. Auf Makro- und Mikroebene braucht man die passenden Planungswerkzeuge, um Vorhaben greifbar zu machen, nur so können unterschiedliche Szenarien durchgespielt, Optionen frühzeitig erkennbar und Flexibilität als Kern von Werthaltigkeit verankert werden.

„Die mcbw ist eine feste Größe in der Kunst- und Kreativszene“, so Tschörtner. „sie schafft mit ihren offenen Ateliers und Studios eine zentrale Plattform für  lebendigen Austausch zwischen Kreativschaffenden und der Stadtgesellschaft. Für München, das in seinem engen Korsett wenig Freiraum lässt, sind solche Formate super wichtig für die Stadtgesundheit.“

Der Beitrag zu CSMM erscheint außerdem im mcbw magazine 2026.