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Figma

Craft als Nordstern

Ein Septemberabend 2025: Zwischen São Paulo und Seoul beantworten 906 Designer:innen Fragen zu ihrer Arbeit. Figmas State of the Designer 2026 Report offenbart eine Profession im Wandel – zwischen Aufbruch und Unsicherheit, technologischer Beschleunigung und menschlicher Kreativität. Und während künstliche Intelligenz die Werkzeuge revolutioniert, avanciert ausgerechnet Handwerkskunst zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal.

Zu Beginn ein paar beeindruckende Zahlen: 72 Prozent aller Designer:innen nutzen regelmäßig generative KI-Tools, bei fast allen (98 Prozent) hat sich die Nutzung im vergangenen Jahr intensiviert. 89 Prozent arbeiten dadurch schneller, 80 Prozent kollaborieren effektiver, und bemerkenswerte 91 Prozent attestieren, dass KI die Qualität ihrer Arbeit steigert. Doch was macht die Arbeit von Designer:innen wertvoll, wenn jede:r mit einem Prompt ein Interface erstellen kann?

Die Antwort könnte in Figmas eigener Geschichte und seiner Hingabe zur Craft liegen – jener Sorgfalt und Aufmerksamkeit hinter allen Designentscheidungen. Dylan Field und Evan Wallace gründeten Figma 2012 und revolutionierten Designprozesse, indem sie sie vollständig in den Browser verlagerten. Anders als klassische Desktop-Tools machte Figma kollaboratives Arbeiten selbstverständlich – Product Manager, Entwickler:innen und Designer:innen teilen sich seither eine gemeinsame Datei.

Was als webbasiertes Design-Tool begann, ist heute eine Plattform für den gesamten Produktprozess; mittlerweile wird sie täglich von Teams in Konzernen wie BMW oderSiemens genauso genutzt wie von Agenturen und Selbständigen. 2022 versuchte Adobe, Figma für 20 Milliarden Dollar zu übernehmen, ein Deal, der letztlich an kartellrechtlichen Bedenken scheiterte. Seitdem agiert Figma unabhängig und erweitert kontinuierlich die Grenzen kollaborativen Designs – zunehmend KI-basiert, wie die kürzlich akquirierten Start-ups zeigen.

Was ist Craft – und warum ist es wichtig?

Rund die Hälfte der Befragten versteht Craft als „visuelle Perfektion und Liebe zum Detail“ oder „durchdachte Problemlösung und systemisches Denken“. Ein indischer Designer bringt es so auf den Punkt: „Für mich bedeutet ‚Craft‘ Können, Detail und intentionalen Einsatz. Es geht nicht nur darum, kreativ zu sein, sondern mit Sorgfalt, Präzision und Fingerspitzengefühl zu gestalten.“ Entscheidend hierbei: Designer:innen, die ihr Handwerk mit emotionaler Wirkung und visueller Qualität verbinden, sind signifikant zufriedener. Sie erleben ihre Arbeit als sichtbarer und wertgeschätzter – wer Craft rein analytisch versteht, erfährt seltener Anerkennung. „Craft ist erwachsen geworden“, so ein italienischer Freelancer. „KI hat viel oberflächliche Designarbeit automatisiert. Der Wert liegt jetzt in systemischem Denken und der Fähigkeit, Komplexität in Klarheit zu übersetzen.“

 

Wenn die Führung Craft ernst nimmt

Der stärkste Zusammenhang der Studie zeigt sich zwischen Führung und Design-Exzellenz. Designer:innen sind doppelt so zufrieden, wenn ihre Unternehmen Craft priorisieren – 60 Prozent berichten von größerer Zufriedenheit, sobald Führungskräfte echtes Interesse an Design zeigen. Konkret bedeutet das: Design mit Geschäftsergebnissen verknüpfen, Designer:innen Raum für Entwicklung geben und eine Kultur schaffen, in der sie stolz auf ihre Arbeit sein können.

Die Rechnung geht auf, Unternehmen, die auf Craft setzen, wachsen laut ihren Designer:innen schneller als der Branchendurchschnitt. Und ihre Designer:innen blicken optimistischer in die Zukunft. Hierin liegt eine zentrale Erkenntnis: KI und kreative Exzellenz schließen sich nicht aus – im Gegenteil. KI beschleunigt die Exploration, während die kreative Entscheidungshoheit bei Designer:innen verbleibt. 

Die Zahlen belegen, dass Designer:innen, die KI adaptieren, 25 Prozent zufriedener sind und ihre Unternehmen schneller wachsen (41 Prozent versus 33 Prozent). Entscheidend: Diese Gewinne gehen weder zulasten von Craft noch von Autonomie. Im Gegenzug berichten 40 Prozent jener, die ihre KI-Nutzung nicht steigern, von sinkender Jobzufriedenheit – mehr als doppelt so viele wie unter den Adaptierenden (18 Prozent). Die Botschaft: Nicht KI ist das Problem, eher die Angst davor. „Für mich spiegelt der Bericht das wider, was ich in Teams überall beobachte: KI sollte unseren kreativen Horizont erweitern, nicht einengen. Und echtes Handwerk – getragen von Neugier, Klarheit und kontinuierlicher Iteration – bleibt auch in Zukunft essenziell“, so Loredana Crisan, Chief Design Officer bei Figma.

Figma: Plattform und Reflexionsraum

In diesem Transformationsprozess nimmt Figma freilich eine Doppelrolle ein: als demokratisierende Plattform und als Forschungsinstanz, die Branchentrends erspürt. Seit seiner Gründung verfolgt das Unternehmen die Vision, Designprozesse zugänglich und kollaborativ zu gestalten. Der Report zeigt: Die Designer:innen, die 2026 und darüber hinaus erfolgreich sein werden, verstehen KI als Katalysator für höherwertige Arbeit und betrachten zugleich Craft als ihren Nordstern – als Qualität, Intention und emotionale Resonanz. Die Profession befindet sich also im Fluss, Gestaltende rekalibrieren ihre Praxis, experimentieren mit Tools und bekräftigen zugleich die menschliche Natur ihrer Arbeit. „Die zunehmende Nutzung von KI-Tools macht alles viel schneller, aber auch zu perfekt und zu generisch“, beobachtet ein brasilianischer Designer. „Was den Unterschied macht, ist eine präzise kreative Vision.“

Der Beitrag zu Figma erscheint außerdem im mcbw magazine 2026.

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