Kreativ München
„In München müssen wir kreativ denken“
Die Kultur- und Kreativwirtschaft schafft nicht nur Werte, Wachstum und Arbeitsplätze, sie ist auch ein wichtiger Innovationstreiber und fördert die Attraktivität einer Stadt. Deshalb hat München 2014 eine Einrichtung geschaffen, um Kulturschaffende und Kreative zu fördern – ein Punkt, an dem sie dringend Unterstützung brauchen können, sind bezahlbare Räume.
„Wir von Kreativ München haben uns als Fördereinrichtung auf die Kultur- und Kreativwirtschaft spezialisiert“, sagt Olaf Kranz, der Leiter des Kompetenzteams. „Diese Branche ist besonders, denn hier entstehen aus menschlicher Kreativität Kulturprodukte, die auf die Attraktivität einer Stadt einzahlen und von deren Innovationsleistung auch andere profitierten.“ In diesem Bereich eine Kompetenz aufzubauen, sei also sehr sinnvoll und man habe mit Kreativ München bewusst auf ein breitaufgestelltes Team gesetzt, das viel Expertise in kommunalen Belangen sowie der Wirtschafts- und Kulturförderung besitzt. Mit diesem breitaufgestellten Fachwissen unterstützt Kreativ München die nicht minder vielfältige Branche, die von Bildender Kunst, Musik und Film bis hin zu Architektur, Games und Design reicht.
Leistbare Flächen sind das A und O
Die Problematik kennen viele Städte, doch in München trifft es die Branche besonders schwer. „Ich würde sagen, dass München die Stadt in Deutschland ist, wo der größte Mangel an langfristig leistbaren Flächen herrscht“, meint Olaf Kranz. Die Stadt sei geografisch recht klein, der Flächendruck extrem, fast alles zugebaut und es gebe kaum Konversationsflächen. Kreative könnten bei den hohen Gewerbemieten oft nicht mithalten, weshalb sich einige umorientierten. Seit 2016 hat München 20 Prozent der Selbständigen und Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft verloren. Ein großer Verlust für die Stadtgesellschaft, weiß Kranz: „Die Selbständigen und die kleinen Unternehmen dieser Branche bilden eine Art kreativen Humus und stellen ihre Kreativität auch in den Dienst größerer Corporate-Strukturen. Dieser positive Spill-Over-Effekt für die Wirtschaft und die Stadt geht verloren. Und wenn Kreative nach dem Studium München verlassen, dann erlahmt die Unternehmensgründungsdynamik und es gibt einen Brain-Drain.“
Die gute Nachricht ist: Bei Kreativ München hat man das Problem erkannt und steuert aktiv dagegen. Mit Retail-Flächen, die seit Jahren zur Zwischennutzung zur Verfügung gestellt werden, hat das Team attraktive Experimentierflächen geschaffen und entwickelt stetig neue Konzepte, um Flächen für die Kultur- und Kreativwirtschaft bereitzustellen.
Kreative Ökosysteme
Mit dem Ruffinihaus ist in bester Innenstadtlage 2020 ein Inkubator entstanden. Hier bekommen Kreativ-Startups für jeweils zwei Jahre günstige und repräsentative Büroräume zur Verfügung gestellt, können netzwerken und werden durch Mentoring-Angebote gefördert. 2025 brachte Kreativ München den Tumblinger Creative Hub an den Start – ein Pilotprojekt, das erstmals dauerhaft Flächen für Kreative anbietet. Das Team kooperierte mit den Münchner Märkten und konnte über 600 Quadratmeter Bürofläche in einen Creative Hub verwandeln, in dem jetzt 18 Unternehmen aus 11 Kreativbereichen arbeiten. Die Durchmischung spielte hier eine zentrale Rolle, wie Projektleiterin Magdalena Matzinger sagt: „Für uns ist ein Creative Hub mehr als die Summe der Teile, sondern ein kreatives Ökosystem, das Austausch, Inspiration und Ko-Kreation ermöglicht.“
Damit die Mischung stimmt, sucht Kreativ München nicht nur Mieter:innen, sondern kuratiert eine Community. Für Matzinger ist es wichtig, die Leute persönlich kennenzulernen, denn während das Ruffinihaus über ein Community Management verfügt, organisiert sich der Tumblinger Creative Hub selbst. Vom Branding bis zur Raumgestaltung, von Veranstaltungen bis hin zum Weißwurstfrühstück – alles wird von den Kreativen vor Ort selbst geleistet. Das senkt die Kosten, es fördert aber vor allem das Miteinander und den Austausch.
„Wir haben noch ein paar Eisen im Feuer“
Aktuell versucht Kreativ München verstärkt, die Immobilienwirtschaft ins Boot zu holen. In zentralen Lagen entstehen zwar noch immer neue Luxusbüroflächen, doch in den Randbezirken gibt es auch Leerstand. Wenn also die Innenstadt zu teuer ist und stattdessen in der Peripherie Gebäude leer stehen, warum nicht eins und eins zusammenzählen? „Wir suchen nach Win-Win-Situationen“, sagt Olaf Kranz, „und schauen, ob es zwischen Immobilienunternehmen, uns und der Kultur- und Kreativwirtschaft eine Überschneidung von Interessen gibt.“
Kreativ München übernimmt bei der Planung von Creative Hubs in Randlagen eine Mittlerrolle ein, denn die Immobilienwirtschaft tickt – bisher noch – ganz anders als die Kreativen. Zum Beispiel ist man es gewohnt, ganze Geschosse an Generalmieter abzugeben, nicht an viele Einzelne. Mit Modellen, die den Verwaltungsaufwand reduzieren und mit einem kostenfreien Service, der das Projektmanagement im Vorfeld abdeckt, versucht Kreativ München zu überzeugen. Doch auch die Kultur- und Kreativwirtschaft findet es nicht per se attraktiv, in gesichtslose Büros am Stadtrand zu ziehen. Hier kann das Team mit dem Community-Versprechen und einem inspirierenden Umfeld punkten. Die neuen Creative Hubs – vier sind in Planung – sind eine vielversprechende Lösung für das Raumproblem in München.
Die positiven Effekte dieser Projekte würden zunehmend erkannt, sagen Kranz und Matzinger, denn sie seien eine Win-Win-Win-Situation für Kultur- und Kreativschaffende, die Immobilienwirtschaft und für die Stadtgesellschaft. Analog zum Jahresmotto hat auch Kreativ München einen „Playground of Possibilities“ geschaffen und Magdalena Matzinger sagt: „Manchmal scheitern wir, aber daraus können wir wieder Neues entwickeln. Und ja, ein guter Teil unserer Arbeit ist kleinteilig, aber mit so vielen unterschiedlichen Akteuren gemeinsam zu denken und zu arbeiten macht einfach nur Spaß.“ Das Spannende und Spielerische sei es, immer wieder Räume neu zu denken, sagt auch Olaf Kranz – „wo andere nichts sehen, sehen wir einen Creative Hub.“
Der Beitrag zu Kreativ München erscheint außerdem im mcbw magazine 2026.