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TUM School of Engineering and Design

Nichts ist so ernst wie das Spielen

Im Kunstareal macht sich eine lange Wand buchstäblich breit und lädt mit verschiedenen Zonen zum Sitzen, Balancieren, Springen und Spielen ein. Die ungewöhnliche Rauminstallation haben sich der Fachbereich Architektur und Design der Technischen Universität München (TUM) und die Architekten von Park Associati aus Mailand ausgedacht, um Menschen auf lustvolle und leichte Weise mit dem Baumaterial Hanfkalk vertraut zu machen.   

Das Spielen muss man sehr ernst nehmen, darin sind sich die Architekten von Park Associati mit dem italienischen Künstler Bruno Munari einig, denn erst durch das Spiel entdeckt der Mensch die Welt und schult seine Vorstellungskraft. Im Rahmen der mcbw eine Art Spielparcours aufzubauen, bot sich deshalb als eleganter Kniff an, um die Öffentlichkeit mit einem Forschungsprojekt des Fachbereichs Architektur und Design der TUM vertraut zu machen. An der Münchner Universität entsteht jedes Jahr ein sogenanntes „living lab“, in dem sich Studierende unter Leitung von Professor Niklas Fanelsa einem Material widmen und erkunden, wie es sich für das Bauen der Zukunft nutzen lässt. Das Besondere ist, dass sich die Forschenden jeweils einer anderen Region zuwenden und Materialien und Wissen nutzen, die vor Ort vorhanden sind. Ziel ist es, vorhandene Systeme zu verstehen und daraus neuartige Lösungen zu entwickeln, die nachhaltig sind und die regionale Wertschöpfung stärken.

 

Hanfkalk – ein Material mit Zukunft

Das aktuelle Forschungsprojekt befasst sich mit Hanf und untersucht, wie sich das Pflanzenmaterial im Gebäudebereich nutzen lässt. Vor allem in Hanfkalk sieht Niklas Fanelsa großes Potenzial, denn das Material, das aus Hanffasern und Kalk hergestellt wird, besitzt viele positive Eigenschaften. Es ist gut zur Wärmedämmung geeignet, seine Herstellung verbraucht wenig Energie, Hanfkalk kann lokal und nachhaltig produziert werden und der Rohstoff ist schnell verfügbar. „Wenn man mit Holz baut, muss zuvor ein Baum 30 Jahre lang wachsen“, sagt Fanelsa, „Hanf wächst jedes Jahr neu.“ Bei den Projekten ist es dem Professor wichtig, interdisziplinär zu arbeiten, sich mit Fachleuten aus vielen Bereichen zusammenzutun und das Thema möglichst international zu beleuchten. In diesem Fall kooperierte das TUM-Team mit Revalu, einer Online-Plattform, die Architekt:innen umfangreiches Wissen zu verschiedenen Materialien zur Verfügung stellt. Ein weiterer Partner war die Firma Schönthaler, die in Südtirol Hanfsteine für die Bauindustrie herstellt. Sie war es auch, die anregte, das Material einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, also holten Fanelsa und die Studierenden einen weiteren Verbündeten ins Boot. Das Architekturstudio Park Associati hatte sich ebenfalls seit einiger Zeit mit Hanf beschäftigt und bereits in Portugal eine Installation aus Hanfkalk gebaut – eine Anwendung der theoretischen Recherchearbeit, die die Architekten geleistet hatten. “Hanfkalk ist super interessant und sehr vielseitig“, sagen Matteo Arietti und Michele Versaci von Park Associati, „also haben wir begonnen, damit zu experimentieren und wir wollten ein Bewusstsein dafür schaffen, wie sich das Material in kleinen bis mittelgroßen Architekturprojekten nutzen lässt." 

Eine Mauer schafft interaktive Momente

Rund um das Forschungsprojekt der TUM hatte sich also ein ganzes Team von Hanffachleuten zusammengefunden, das in dem Werkstoff großes Potenzial für das Bauen der Zukunft sieht. Damit möglichst viele Menschen davon erfahren, setzen die TUM und Park auf eine spielerische Wissensvermittlung. Statt lange Texte zu lesen, können Besucher:innen der mcbw Hanfkalk in der von Park Associati entwickelten „Wall of Tanslation“ im Kunstareal unmittelbar erleben. Blöcke aus Hanfkalk formen eine Mauer, die jedoch nicht durchgehend und geschlossen ist, sondern verschiedene Bereiche enthält und unterschiedlich genutzt werden kann. In Anlehnung an das mcbw-Motto ist hier ein echter „Playground of Possibilities“ entstanden.

 „Die Installation nutzt die Mauer als aktivierendes soziales Instrument, das Kinder und Erwachsene einlädt, zu lernen, wie man Raum, Nähe und Bewegung untereinander aushandelt“, erklären die Architekten Matteo Arietti und Michele Versaci, „hier zeigt sich, dass selbst das starrste architektonische Element offen für Interpretationen und Spiel ist. Man kann klettern oder sich setzen und sich unterhalten. Die Installation kreiert eine Abfolge räumlicher und interaktiver Momente.“  

Regenerative Designstrategien

Vom Labyrinth über ein Jungle Gym bis hin zu einem Sandkasten haben sich die Kreativen einiges einfallen lassen – Spaß beim Erkunden der „Wall of Translation“ ist also garantiert. Und ganz nebenbei kommen die Besucher:innen mit dem vielseitigen Baumaterial Hanfkalk in Kontakt. Die Bausteine haben die Studierenden der TUM selbst gefertigt. Nach der Designwoche werden sie abgebaut und wiederverwendet – das TUM-Team wird daraus für eine gemeinnützige Organisation einen Pavillon bauen, erklärt Franziska Sorger, die das Projekt als wissenschaftliche Mitarbeiterin begleitet. Dass man gerade für temporäre Bauten nicht immer alles neu produzieren muss oder im Anschluss für das Material eine andere sinnvolle Verwendung finden kann, betonen auch die Architekten von Park Associati. „Die Installation schärft das Bewusstsein für ein ungewöhnliches Material, sie zeigt aber auch, dass etwas Gebautes nicht zwingend schädlich für den Planeten sein muss.“ Und Niklas Fanelsa fügt hinzu: „Uns ist es wichtig, dass den Besuchern klar wird, im Moment bauen wir noch Häuser, in Zukunft werden wir sie buchstäblich wachsen lassen, denn die Baumaterialien werden vom Feld kommen.“