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Rückblick: Sustain by Design
Highlights der MCBW

Die diesjährige MCBW, die vom die vom 7. – 13. März von bayern design veranstaltet wurde, stand unter den Vorwehen der sich anbahnenden Corona-Krise und gehörte zu den ersten größeren Events, die die Auswirkungen des Virus zu spüren bekamen. Mit über 220 Veranstaltungen und mehr als 360 Speakern waren in diesem Jahr eigentlich mehr Veranstaltungen angesetzt als je zuvor – nicht umsonst gilt die MCBW als bedeutenster Designevent Deutschlands. In diesem Jahr musste die MCBW allerdings aufgrund der gegebenen Umstände leider vorzeitig beendet werden. Umso strahlender erscheinen jetzt im Rückblick die Programmpunkte, die von unserer rasenden Reporterin, Kathrin Schäfer, besucht werden konnten.

Der Schwerpunkt der diesjährigen MCBW war „Sustain by Design“, so haben sich zahlreiche Unternehmen und Organisationen im Rahmen der MCBW mit nachhaltigem Design beschäftigt und innovative Ansätze vorgestellt. Designer sitzen an der Schnittstelle zwischen Mensch und Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Mit ihrem Handwerk und ihren Fähigkeiten können sie Form und Funktion vereinen sowie Strategien und Systeme entwickeln, um Lösungen für eine nachhaltige Zukunft zu finden. Die vielfältigen Veranstaltungen und Workshops, die im Rahmen der MCBW dieses Jahr angesetzt waren, haben sich verstärkt mit den Fragen beschäftigt, wie Menschen in Zukunft arbeiten, wohnen, sich austauschen, anziehen und fortbewegen werden. Die MCBW präsentierte in sechs Themenfeldern – der Zukunft der Digitalisierung, der Innovation, der Kommunikation, der Städte, der Mode und der Arbeit – auf inspirierende Weise, was Design dafür tun kann, bereits tut und tun wird.

TAUSCH DICH GLÜCKLICH

Ein Programmpunkt aus dem Themenfeld „Zukunft der Mode“ war der von Green City e.V. und COKREA organisierte Kleidertausch. Die Idee ist simple: Gut erhaltene Kleidung, die nicht mehr passt oder nicht mehr gefällt, wird eingetauscht in etwas Anderes, Fremdes, Neuartiges. Zehn mitgebrachte Stücke durften es pro Person sein, die auf Themen-Tischen verteilt wurden – ein kleines Eintrittsgeld floss direkt als Spende an Green City. Und schon drehte sich der Kleiderkreisel, indem fröhlich hin- und her getauscht, anprobiert und begutachtet wurde.

ÜBER DEM NEBEL

Im Tilo Schulz Raum im Luitpoldblock war während der MCBW ein geheimnisvoll beleuchtetes, nebelumhülltes Schaukelparadies zu finden: In einem leeren Ladenraum hingen außergewöhnliche Schaukeln aus massiven Eichenbohlen mit aufwändig von Hand gespleißten Seilen aus dem Hutschn-Projekt von Andreas Baumann sowie Andreas und Matthias Bunsen. Jeder Arbeitsschritt ist bei den Schaukeln Handarbeit – Aspekte wie Qualität, Langlebigkeit, Herkunft, die ökologische Bilanz und die Geschichte hinter den Hutschn-Produkten sollen zu einem transparenten und nachhaltigen Erlebnis werden. Auch ein passender Vortrag fand in der Schaukelwelt statt: Jens Badura, Kulturphilosoph, Kulturmanager und Bergführer aus Berchtesgaden sprach über das Klischeebild der Alpen. „Schweizer Bergluft“ in der Flasche, gepresstes Heu „Marke Wildspitze“ als Wandbehang und der touristische Ausverkauf von Hallstatt im Salzkammergut sind nur einige der unglaublichen Auswüchse einer Alpenindustrie, die vor allem Sehnsüchte zu bedienen hat und selten über das Klischee hinausgeht. Hier setzt die Initiative CreativeALPS an, im Versuch „die Alpen neu zu denken“, neue Narrative für den Alpenraum zu entwickeln und kreative Alternativen für nachhaltigen Tourismus zu entwickeln – #sustainbydesign ist auch hier das richtige Stichwort.

INTUITIVES DESIGN

Universal Design beschreibt ein möglichst intuitives Designkonzept, in dem Produkte, Systeme und Services so gestaltet sind, dass sie von allen Menschen gleichermaßen – auch bei körperlichen oder geistigen Einschränkungen – verwendet werden können. Im Rahmen der MCBW organisierte das IUD – Institut für Universal Design im Oskar von Miller Forum eine Ausstellung zum Wettbewerb eingereichter Produkte und Konzepte, die während der MCBW auch einer „Consumer Jury“ präsentiert wurden. Interessierte konnten als selbst ernannte Jurymitglieder durch die Ausstellung streifen, die ausgestellten Produkte auf ihre Funktion prüfen und ihr Konzept der Nachhaltigkeit bewerten. Unter den Produkten waren dabei zum Beispiel der vielfältig drehbare „Zaunkönig“-Kinderhochstuhl der auch Entdeckerplattform, Spieltisch oder Räuberhöhle ist – oder die Tasche „Transporta“ von AtoZED, die mit wenigen Handgriffen auch für Einkäufe per Rollstuhl (mit solidem Lederboden) geeignet ist. Hervorzuheben war auch das Projekt „Magdas“ Hotel in Wien, Österreichs erstes „Social Business Hotel“, in dem ehemalige Flüchtlinge arbeiten und das ein Upcyclingkonzept in der Ausstattung verfolgt.

ÜBERDACHT – SOCIAL.DESIGN.BUILD

In Zeiten massiver klimatischer und gesellschaftlicher Veränderung müssen auch im Bereich Architektur und Stadtplanung Vorgehens- und Verhaltensweisen grundlegend „überdacht“ werden. Im Symposium „ÜBERDACHT – social.design.build“ von Schnitzer& wurden eine ganze Reihe unterschiedlicher Ansätze von „social.design.build“ Projekten von Hochschulen und Planern vorgestellt sowie diskutiert – vor allem soziale Projekte aus dem Ausland. Die referierenden Studenten berichteten, wie sehr sie die Erfahrung im Ausland persönlich befördert und das Projekt als solches bereichert hat. Nicht nur andere Mentalitäten, auch ungewohnte Baumaterialien und Versorgesituationen verlangten ihnen im Projekt ein hohes Maß an Flexibilität und kreativer Leistung ab. „Architecture is a tool to improve lives“, sagt die Architektin Anna Heringer.

MACH KAPUTT WAS DICH KAPUTT MACHT

In der Ausstellung „Mach kaputt was dich kaputt macht“ (inspiriert vom Kultsong der Band „Ton Steine Scherben“) im Büro der BECC Agency Markenagentur, war die Kraft der Zerstörung und der Wille zur Veränderung spürbar. Geschäftsführer Leif Geuder hatte mit seinem Team Beispiele zusammengetragen, deren ikonische Kraft zu denken geben. Was macht eine Marke, die nicht mehr durch ihren Sehnsuchtsfaktor wirkt, nachhaltig erfahrbar? Wie können sich Marken aktiv zusammenschließen, um sich nicht zu kannibalisieren? Wie können in einer globalen Wirtschaftswelt kulturelle Ausprägungen den Unterschied machen? Bei BECC steht es verheißungsvoll an der Wand: „It’s time to stand up and be the change you want to see. Stop waiting – take action. Your time is now!“

NEON-ART VON JAN KUCK

Besonders sehenswert waren auch die außergewöhnlichen Lichtinstallationen des prominenten Konzeptkünstlers Jan Kuck, die München während der MCBW zum Strahlen brachten: Nicht nur das Siegestor verwandelte sich während der MCBW in eine tiefgründige Lichtinstallation, die nach der Verantwortung von Design fragte: DESIGN! OR NO SIGN? Auch die Isar leuchtete in feuerrotem Glanz als mahnendes Lichtzeichen und wurde während der MCBW zum Burning River. Beide Aktionen zogen hunderte Besucher und Fotografen in ihren Bann.

NIEDERBAYERISCHE REGION LANDSHUT

Der diesjährige Regionalpartner, die niederbayerische Region Landshut, zeigte sich auf der MCBW mit dem Ansatz zahlreicher Veranstaltungen aus Bereichen wie Architektur, Kommunikation und Handwerk besonders innovativ und designaffin. Hervorzuheben ist dabei der Regionalpartnertag im MCBW FORUM, auf dem auch der zweite Bayerische Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht durch das Bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft (bayernkreativ) präsentiert wurde. Leider mussten jedoch die meisten Veranstaltungen am zweiten MCBW Wochenende wegen der Corona-Krise abgesagt werden. Aber auch im kommenden Jahr wird die niederbayerische Region Landshut Regionalpartner der MCBW sein und sich diesmal sicher in ihrer ganzen Vielfalt präsentieren können.

MCBW FORUM

Als zentrale Anlaufstelle war das MCBW FORUM wieder in der Hochschule für Fernsehen und Film angesiedelt. Besucher konnten sich dort über Programmpunkte der MCBW informieren und an spannenden Events teilnehmen – hierzu gehörten u.a. die MUCBOOK Creative Night, das MCBW DESIGNKINO, der Design Shop „oursuperstore“ und der Recruiting Day.

Die nächste MCBW findet vom 6. bis 14. März 2021 statt – dann hoffentlich wieder mit allen geplanten Veranstaltungen und Events.