MUNICH CREATIVE BUSINESS WEEK 2019
Ein Rückblick in zwei Teilen

Über 200 Events bei über 120 Programmpartnern in neun Tagen – manchem fiel da die Entscheidung nicht leicht, wohin zuerst gehen und schauen?
Nicht so unserer Werkstudentin Judith Schmidt; sie nutzte das pralle Angebot der MCBW einfach für einen ganz persönlichen Blick auf Münchens Designszene und begab sich mit einem vollgekritzelten Eventguide auf Tour.

Teil 1
Von der Magie geometrischer Elemente, den Turbulenzen eines innerstädtischen Parabelflugs und dem Clou eines Kultur-Start-up-Planspiels.

Stijlmarkt


Dreiecke. Vierecke.
Achtecke. Kreis.


Das ist so die Kurzbeschreibung meiner Eindrücke vom Stijlmarkt, für alle die es ganz eilig haben. Als Ring, Ohrring, Kette, Lampe oder Pflanzenhalter, Hauptsache Geometrie.
Außerdem ganz wichtig: Beanies. Pony. #Hashtags. Und so ein Retro-Tuch um den Kopf. Es heißt übrigens #Turband, also eine Mischung aus Turban und Band. Weite Hose und weiße Sneakers gehen auch immer noch. Und natürlich runde Brillen mit hauchdünnem Metallic-Rand.

Mir war am Anfang bisschen peinlich, dass ich keine Dreieck-Ohrringe habe, sondern so verschnörkselte, silberne Ostereier. Zum Glück habe ich mir dann einen Dreieck-Ring und einen schönen Wellen-Ring in Roségold und Silber gekauft. #styleupdate
Hand-der-Fatima Kettchen und Baum-des-Lebens Anhänger begegnen mir an vielen Schmuckständen, ein neuer Trend scheint der Globus (als flache Scheibe) für #Traveller zu sein. Und ganz, ganz zarte Kettchen mit mikro-mini kleinen Steinchen, fast unsichtbar, die nur schimmern auf der Haut, wenn Licht darauf fällt. Wunderschön dezent.
Faszinierend war auch der eigenwillige, etwas klumpige und gerade deswegen tolle handgemachte Silberschmuck einer Designerin, dessen Herstellung sie versucht hat mir zu erklären. Cool, auf einer Sonderfläche im ISARFORUM präsentierten sich Jungdesigner und -designerinnen aus ganz Bayern.

Neben Schmuck, Klamotten, Rucksäcken, Beanies, Brillen und Holzuhren gab es auch viele Gourmet-Kostproben. Mein persönliches Highlight: eine Art Kaffee aus gerösteten Dattelkernen, der in orientalischen Ländern wohl recht viel getrunken wird und der echt lecker und aromatisch war. Sehr lecker war auch die Pesto-Verkostung mit tausend verschiedenen Pestovariationen – Walnusspesto (mein Favorit), Hanfpesto, Haselnuss-/ Pinien-/ Minze-Pistazie- / Korianderpesto etc – alles dabei. Und super leckere Dattelsorten (ich wusste gar nicht dass es so viele gibt), frisch vom Stiel, ultra soft, rund, oval, knusprig und mit Karamellgeschmack... Und last but not least, mein Highlight des Tages: eine Art-Night nach dem Motto »Entdecke den Künstler in dir«. Ich habe das Balloon Girl von Banksy mit Ölfarben gemalt und hatte Riesenspaß dabei. Fazit: große Empfehlung für jeden, der einen Style-Update braucht.

Public Start-up Moonshot Pitch


Never Think Small!


Dieser Event war krass. Krass ist eigentlich das einzig richtige Wort dafür. Allein die Location: erstmal mit dem gefühlte Lichtgeschwindigkeit schnellen Glasaufzug ganz nach oben zu Design Offices. Klar, wohin auch sonst, eine Etage tiefer hätte nicht gepasst. Oben alles aus Glas, der Blick auf die Berge – blauer Himmel, glasklare sonnige Luft, die weißen Gipfel richtig detailliert und groß. Das fühlt sich schon mal sehr nach »Moonshoot« an. Das Ganze ist eine Initiative von Innovation 4.X aus Österreich, die jetzt erstmals in Deutschland präsentiert wurde.

Dem Mond so nah

Drinnen bunt gemischte Designerstücke, Start-up Atmosphäre, hippe Bar mit Café, Mindmaps im Design-Thinking Style, auch hier überall diese unglaubliche Aussicht. Man fühlt sich eher wie im Tower eines Flughafens.
Auf den Stufen mit bunten Kissen sitzen schon stylische Leute in Schwarz, manche mit dem Logo »Never Ever Think Small« auf dem Shirt, im Hintergrund der Jazzklassiker »Fly me to the moon«. In der Ecke steht ein Schlagzeug, im Raum nebenan habe ich Boxsäcke in allen Größen entdeckt. Waren wohl notwendig die letzten drei Tage.

Die Rakete explodiert

Es geht los, vorne auf der Leinwand der Countdown, jetzt mit Rockmusik, und der Event hebt mit einer euphorischen Begrüßung lautstark ab.
Um es nicht so unerträglich spannend zu machen, wie es in Wirklichkeit war, erzähle ich jetzt gleich von der Idee, die gewonnen hat. Die finde ich nämlich richtig toll.
Ursprünglich war es eigentlich eine andere Startup-Idee, die gewonnen hatte und dann in einem Team von 100 Experten in drei Tagen durch die Decke geschossen werden sollte. Die Rakete war auch schon vom Boden abgehoben. Doch dann ist sie explodiert. Nachdem die Experten schon eine Menge Arbeit reingesteckt hatten, das Design, das CRM, alles war schon fertig. Doch dann stellte sich heraus, dass es die Erfindung schon gab und ein Patent darauf angemeldet war. Da »einfach bisschen abändern« nicht Moonshoot-like ist, ist die Rakete in der Luft explodiert und eine neue wurde gebaut. Und die hat es in sich:

Iumee – das Netzwerk für eine bessere Welt

Warum das x-te neue Automodell entwerfen, wenn es auf der Welt ganz andere Probleme gibt? Armut, Ungleichheit, Hunger, Arbeitslosigkeit, ungleich verteilte Chancen. Die UN Sustainable Development Goals haben sich zum Ziel gesetzt, dass es bis 2030 Strom, Gesundheitsversorgung, Bildung, Arbeit etc. für JEDEN auf der Welt gibt.

Das ist mal ein ambitioniertes Ziel. Allerdings will Iumee, so heißt die geplante Plattform, nicht betteln gehen und dann in ärmeren Ländern gnädig Almosen geben. Das Projekt soll sogar richtig viel Kohle abwerfen. Und den Menschen vor Ort die Kompetenzen, das Knowhow an die Hand geben, um die eigenen Probleme selbst zu lösen. Denn die Menschen vor Ort wissen selbst am Besten, was sie brauchen – oft scheitert es aber an mangelnder Vernetzung, etwa wenn das Knowhow für das »Waste Management« einer Stadt fehlt. Oder viele Städte und Dörfer an der Küste dasselbe Problem haben, da sie Fisch nicht in die EU exportieren können, und ihn deshalb nach Tunesien schmuggeln. Erst durch Vernetzung fanden die Städte heraus, dass Küstenstädte in anderen Ländern das gleiche Problem haben – sie taten sich zusammen und fanden eine Lösung: eine Lizenz, die für EU-Importe benötigt wird, konnte nun ausgestellt werden.

Alle Probleme lösen durch das perfekte Match

Iumee will Probleme und Jobs mit Menschen matchen, die über entsprechendes Knowhow verfügen. Weltweit. Automatisch durch einen Algorithmus. Dabei sind die Profile anonymisiert. Der Experte kann sich dann entscheiden, den Auftrag anzunehmen oder nicht. Erst bei Annahme wird die Identität preisgegeben. Datenschutz nehmen die Gründer sehr ernst: Iumee verteilt die Daten auf Servern weltweit. Damit soll verhindert werden, dass große Konzerne Geld mit den Daten der User machen.

Dieses digitale Netzwerk leistet Entwicklungsarbeit. Aber es ist auch für die »erste Welt« konzipiert. Ab 100 Mitarbeitern wird es nämlich schwer, die genauen Fähigkeiten und Entwicklungspläne jedes Angestellten genau zu kennen. Wenn neue Aufgaben anfallen, fehlt der Überblick über die Kompetenzen im Haus. Iumee hilft, das perfekte Match zu finden. Notfalls auch außerhalb der Firma, oder weltweit.

Ein Traum für Freelancer

Für Selbständige sind perfekt aufs Profil abgestimmte, weltweite Jobvorschläge natürlich ein Traum. Und die Zukunft der Arbeit ist projektbasiert, erfahre ich. Bei einer Aktualisierung des Profils werden umgehend andere Projekte vorgeschlagen, die besser zur neuen Ausrichtung passen. Für mich klingt das sehr, sehr sinnvoll. Warum gibt es sowas nicht schon längst? Ich werde mich anmelden.

Workshop: Cultural Entrepreneurship in Global Cities


Gamification meets Cultural Entrepreneurship:
Wir bauen ein Kultur-Start-up


In diesem Workshop des Strascheg Center for Entrepreneurships im zentralen MCBW FORUM haben wir in Teams aus internationalen Kulturschaffenden mithilfe von Gamification die ersten Schritte zur Gründung eines kulturellen Start-ups durchgespielt. Überraschend war, wie schnell wir uns mithilfe dieses Spiels auf eine gemeinsame Idee festlegen und ein detailliertes Konzept erarbeiten und dieses zum Schluss pitchen konnten. Besonders wertvoll waren auch die interessanten Kontakte, die (inter-)kulturellen Hintergründe der Teilnehmer und ihre Pläne. Vom Wirtschaftsingenieur, der eine Tanzschule gründen will, über die Lichtdesignerin aus Mexiko, die lokales Kunsthandwerk nach Europa bringen will, bis zur Münchner Musikmanagerin war alles dabei.

Teambuilding und Persönlichkeitsanalyse inklusiv

Das Planspiel zur Gründung von Start-ups wurde an der Universität Aarhus entwickelt. Ein wichtiges Ziel des Spiels ist die Minimierung von Unsicherheiten. Die Teilnehmer können sich eine Rolle im Team aussuchen. Diese Rolle spielen sie dann, inklusiv Charaktereigenschaften, Stärken und Schwächen, die in den Erfolg des Startups einkalkuliert werden. Dadurch hilft das Spiel auch, die optimale Rolle im Team zu finden und sich durch Feedback kontinuierlich zu verbessern. Ich war überrascht, wie viel ich über meine Stärken und Schwächen erfahren habe, und durch welche Stärken ich das Team tatsächlich voranbringen konnte. Dies geschieht jedoch nebenbei, im Fokus steht die Entwicklung einer durchdachten Strategie in kurzer Zeit.

Fahrradfahren in München ohne Lebensgefahr

Unser Projekt bekam übrigens den zweiten Platz: »Airic«, für »Air in Cities«, will die Luftqualität in München verbessern. Um dies zu erreichen, ist ein jährliches Festival geplant, das Grassroots-Arbeit betreibt und alle Stakeholder zusammenbringt, um die tatsächlichen Herausforderungen zu definieren (etwa die Tatsache, dass man sich als Fahrradfahrer in München tagtäglich in Lebensgefahr begibt) und Lösungen zu generieren (Wie machen wir München zur Fahrradstadt?). Für die Umsetzung ist ein 6-monatiges Programm jeweils im Anschluss an das Festival geplant.
Fazit: Gamification, Kultur und Start-up ist das perfekte Trio. Motivierend.

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Protokoll: Judith Schmidt
Fotos: ©bayern design & LÉROT und Judith Schmidt

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