Plakat-Revolution

Überall, nur nicht zu Hause – so lautete einmal der Titel eines Fachbuches, der das Wesentliche der Außenwerbung deutlich macht. Tatsächlich: Wer sich im öffentlichen Raum bewegt, begegnet diesem vielfältigen Medium. 

Das Medienhaus Ströer ist der Big Player in diesem Gewerbe. Gegründet 1990, übernahm Ströer 2004 die Deutsche Städte Medien, die damals unter anderem der Stadt München gehörte. Ein Jahr später kam die Deutsche Eisenbahn Reklame dazu, die ebenfalls Plakatflächen vermarktete. Damit war das Unternehmen aus Köln der größte deutsche Plakatvermarkter. Seitdem bespielt Ströer alle Formen und Standorte der Außenwerbung, vom klassischen 18/1-Großplakat bis zu beleuchteten Wartehäuschen oder animierten Werbeformen. Darüber hinaus vermarktet und betreibt Ströer mehrere tausend Webseiten und engagiert sich stark im Dialogmarketing. Zudem publiziert das Medienhaus über alle digitalen Kanäle und bietet mit Angeboten wie t-online.de und Special-Interest-Portalen eines der reichweitenstärksten Netzwerke Deutschlands. Das ermöglicht gesamthafte, medienübergreifende Lösungen für Kunden aller Größen und aus allen Branchen.

Doch längst ist auch das traditionsreiche analoge Medium Plakat digital geworden, mit faszinierenden Aussichten.

Maßarbeit

Hier sieht auch Alexander Stotz, CEO Ströer Media Deutschland GmbH, die größten Zukunftschancen, selbst wenn analoge Werbeflächen zurzeit noch den größeren Umsatzanteil haben. Immer beliebter werden digitale Außenwerbeformen, wie etwa Infoscreens an den Stationen der U- und S-Bahnen oder »Station und Mall Video«, Infostelen in den größeren Bahnhöfen und in Einkaufszentren. Sie bieten besondere Möglichkeiten, aber auch einige gestalterische Herausforderungen. Bewegtbild in Kombination mit redaktionellen Inhalten sorgen für eine erhöhte Aufmerksamkeit, dazu kommen Buchungen kurzer Dauer, was auch die Kosten attraktiv macht. So können diese Medienformen auch für lokale Anbieter interessant werden. Allerdings gibt es bei diesen digitalen Werbeformen einige Besonderheiten zu beachten. Die digitale Werbung Out-of-Home ist in ihrer Erstellung recht komplex. Die optimale Abstimmung der drei Komponenten Botschaft, Kreation und Situation ist hier unabdingbar, insbesondere bei einer medienübergreifenden Kampagne. Entscheidend für die Gestaltung sind vor allem die Situation und die Dauer, in der sie der Empfänger erlebt. Denn die Wartesituation bei U- und S-Bahn ist anders als vor den Infostelen im Bahnhofsbereich auf dem Weg zum Bahnsteig – meist in Eile – oder im Rahmen eines Einkaufszentrums, wo gleichzeitig viele andere Verlockungen präsent sind. Doch es geht bei den digitalen Formen nicht bloß um Werbebotschaften.

Partnerschaft

Inzwischen wird bereits die nächste Innovation im Bereich der digitalen Außenwerbung umgesetzt: 2015 startete Ströer mit der Digitalisierung der Außenwerbung auf der Straße und installierte erstmals in Wuppertal im Rahmen eines Pilotprojekts großflächige, digitale Screens. Mittlerweile sind rund 250 dieser digitalen Stadtinformationsanlagen deutschlandweit im Einsatz. Zuvor galt es, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, denn zunächst gab es Vorbehalte, weil die Abbildungsqualität nicht ausreichte und die Lichtstärke der Screens nicht an das wechselnde Tageslicht anzugleichen war. Die jetzige Lösung ist technisch ausgereift und überzeugt nicht nur Werbetreibende, sondern auch die Kommunen. »Denn,« so Alexander Stotz, »ähnlich wie auf den Infoscreens und Station-Video-Stelen, werden neben Werbung, Wettermeldungen und Nachrichten auch Mitteilungen der Stadtverwaltungen eingeblendet.« Im Herbst letzten Jahres erhielt das Unternehmen sogar eine bedeutsame Auszeichnung: Im Rahmen der Smart-City-Konferenz Nordic Edge Expo im norwegischen Stavanger wurde Ströer für die Entwicklung seiner digitalen Stadtinformationsanlagen prämiert. Maßgebliche Vorteile sah die Jury in der »Erleichterung der Bürgerbeteiligung«, der »Erhöhung von Sicherheit in einer Stadt«, der »Förderung eines nachhaltigen Kommunikationsansatzes« sowie »neuer Geschäftsmöglichkeiten für Städte und Kommunen«.

Zukunft

Mit den digitalen Screens an der Straße erweitern sich tatsächlich auch die öffentlichen Serviceangebote in ganz neue Bereiche. »Wir haben z.B. mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz einen Vertrag, durch den wir Teil eines bundesweiten Warnsystems werden.« Neben Radio, TV, Internet und Mobilfunk sind die Screens von Ströer damit offizieller Multiplikator von Warnungen zum Bevölkerungsschutz. Neben dem visuellen Hinweis ist auch eine akustische Ergänzung denkbar, denn die Screens sind an stark frequentierten Standorten in den Städten platziert. »Wenn wir eine Infrastruktur geschaffen haben, dann sollte man sie auch multifunktional nutzen können.« So sieht Alexander Stotz etwa die Möglichkeit von Verkehrsleitsystemen via digitalem Board oder die Integration von G5-Antennen. Aber auch ganz neue Anwendungsgebiete eröffnen sich: »Wir entwickeln aktuell ein Moos, das Feinstaub reduziert und an den Flächen angebracht werden kann. Für einen Test in der Paul-Heyse-Unterführung sind wir gerade mit der Stadt München im Gespräch.« Ebenso könnten für die Frequenz- oder Umweltmessungen die vorhandenen Werbeträger optimal genutzt werden. Denn Außenwerbung ist – digital und analog – überall dort, wo Menschen unterwegs sind. Selbst wer kein anderes Medium nutzt, begegnet ihren Botschaften! Ein überzeugendes Argument für Kommunen und Städte – aber auch für die Werbungtreibenden.

Autor

Herbert Lechner

entwickelt und betreut seit mehr als 30 Jahren analoge und digitale Medienkonzepte für Unternehmen, Institutionen und Verlage. Vorträge und Artikel zu Editorial Design, Typografie und Design, unter anderem regelmäßig in "novum. World of Graphic Design".

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