Ich bin ein Solarpanel, sagt das Papier.

Wenn das Cover Content wird …

Design verbindet, indem es berührt. Und sich berühren lässt. Deshalb lieben wir den sanften Widerstand eines hochwertigen Papiers genauso wie Touchscreens mit ihrer kühlen glatten Oberfläche, die auf zartes Darüberstreichen reagieren! Bei der Münchner Designwoche MCBW vom 9. bis 17. März 2019 geht es immer wieder auch um das Zusammenspiel zwischen digitalen und analogen Welten und darum, was Designerinnen und Designer daraus machen: So beleben sie beispielsweise künstliche Intelligenz mit dem emotionalen Touch, der sie dem Benutzer verständlich macht und näherbringt. Oder sie verpacken Handys als Inbegriff des Zugangs zur digitalen Welt so hochwertig, dass das Auspacken zum eigenständigen Erlebnis wird – Paperkate lächelt.


Paperkate ist keine Papieranimation, sondern ein quicklebendiger, bodenständiger Mensch … allerdings mit einem großen Herzen für Papier. Denn Paperkate alias Katja Kahn ist Produktionerin in einer Welt, wie sie analoger nicht sein könnte. Alles, was mit Printmedien zu tun hat, hat’s ihr angetan. Und die bestehen nun mal durch und durch aus Materie, aus einer Stofflichkeit, die unschlagbar ist, wenn es um Eindruck und Ausdruck geht. Da gerät die Digitalisierung ganz schön unter Druck … Sieht man einmal von der schier unendlichen Vielfalt an Papieren ab, eröffnen die modernen Veredelungstechniken noch ganz andere Horizonte haptischen Erlebens: mit Lasercut, Beflockung, partiellem UV-Lack, Lentikulardruck, Blindprägung und Prägefoliendruck … Doch was bedeuten diese Möglichkeiten des Finishing für den Designer?



Wirklich? Die Produktionerin muss einem skeptischen Blick standhalten. Lässt sich Folienverarbeitung bei einem grünen Kunden verantworten? Der Umweltaspekt muss ihr ja wichtig sein. Auch deshalb arbeitet sie mit dem Marktführer unter den Folienherstellern, KURZ, zusammen, bei dem keine flüchtigen, ozonschädlichen Halogenkohlenwasserstoffe verarbeitet werden, ebenso wenig wie keine cadmium-, blei- oder quecksilberhaltige Rohstoffe. Außerdem achtet ihr Lieferant auf Energieoptimierung, Emissionsminimierung und Abfallreduzierung – soweit das eben im produzierenden Gewerbe möglich ist. »Immerhin sind die Emissionen bei Folie geringer als bei vergleichbaren Veredelungstechniken,« so die Fachfrau. Und recyclingfähig sind die Folien auch. Wobei Paperkate nun mal Ästhetin ist und sie bei KURZ insbesondere die riesige Range an verschiedenen Folienqualitäten für unterschiedliche Bedruckstoffe und in einem gigantischen Farbspektrum begeistern. Manche sind besser für glattes gestrichenes Papier geeignet, die anderen eher für raues. Manche eher für dünne feine Linien, andere eher für flächige Designs.

Katja Knahn muss nicht lange nachdenken. »Veredelung macht Produkte hochwertiger. Die Herausforderung für den Designer ist jedoch, diese Optionen nicht als reine Kosmetik zu betrachten nach dem Motto: Da ist noch Budget übrig für ein Extra! Die Veredelung muss genau zu diesem einen Produkt passen, sie sollte Content sein!« Natürlich hat sie in ihrer Schatzkiste Beispiele parat, bei denen sie genau das verwirklich hat – etwa für die Green City AG, die Investoren für Solarkraftwerke gewinnen will. Der Folder für die Solarimpuls-Anleihe sollte seriös, sachlich und zugleich aufmerksamkeitsstark sein. Doch wo gibt es dazu noch ein unverbrauchtes »Zartes-Pflänzchen-mit-glitzerndem-Tautropfen«-Foto? Und welche Metallicdruckfarbe wäre beim Thema Finanzen subtil genug? Gold? Silber? Kupfer? Für Paperkate und ihre Designkollegen aus dem Complizenwerk – Mano Wittmann und Stephan Wittmann – war klar: kein Bild, kein Glitter! Sondern Schrift, schlicht geprägt mit einer changierenden Folie, die im Licht nach allen Seiten genauso leuchtet wie ein Solarpanel. Cover ist Content.



Verschiedene Folien? Für verschiedene Materialien? Hört sich nach Wissenschaft an. „Klar, auf Leinen sieht eine Folienprägung ganz anders aus als auf einem hochvolumigen Baumwollpapier,“ weiß die Expertin. Und was bedeutet das für den Designer? „Auf jeden Fall sollte er flexibel sein. Ich würde jedem raten, vor Produktionsstart einen Testlauf zu machen – schließlich haftet nicht jede Folie auf jedem Material. Oder: Je kleiner und detaillierter die Schrifttype, desto mehr ist darauf zu achten, dass nichts ausfranst. Dabei kommt es auch sehr auf die Qualität des Prägewerkzeugs an, und hier ist wiederum zu bedenken, in welcher Auflage man drucken möchte. Ein einfacher Stempel aus geätztem Magnesium ist preisgünstiger und vielleicht für kleine Auflagen gut geeignet, ein hochwertiger gravierter Messingprägestempel hält gut eine Million Prägungen aus!“ Eine vorausschauende Planung ist also gefragt, und das nicht nur unter dem ökonomischen Aspekt. Ein Grafiker, der sich eine effektvolle Heißfolienprägung für die Vorderseite seines Produkts überlegt, sollte auch gleich die Kehrseite mit bedenken. Denn was der Stempel vorn einprägt, kann auf der Rückseite spürbar sein.

Die Produktionerin hat solche Themen im Griff. Und schwärmt von den kunstvollen Verpackungen, die sie für die Nymphenburger Porzellanmanufaktur in Zusammenarbeit mit dem Bureau Mirko Borsche umgesetzt hat – ganz vorsichtig hat sie sich da herangetastet an das Experiment, das konservative blau-weiß gedruckte Logo zeitgemäß abzulösen durch eine Struktur, welche die berühmten bayerischen Rauten im Wortsinn „eindrücklich“ wiedergibt. Den spannenden Weg zum Ergebnis schildert sie so: „Unsere Basis war ein Bezugsstoff mit stark textiler Haptik, den wir im Test blindprägten. Wir waren enttäuscht – es war einfach nur langweilig! Dann experimentierten wir mit einer transparenten Heißfolie, die durch einen leichten Glanz kontrastiert. Und das Schöne war: Wir konnten richtig tief reingehen, weil ja von der Innenseite eine Graupappe gegengesetzt wurde.“ Hier ist es wirklich gelungen, das Selbstverständnis eines Kunden, der über Jahrhunderte in reiner Handarbeit stilprägendes Design entwickelt, im Verpackungsdesign aufzufangen.



Weil viele Produkte und Marken zuallererst über die äußere Hülle wahrgenommen werden, haben die Veredelungsexperten bei KURZ dieses Thema mit besonderer Leidenschaft weiterentwickelt. Der Kurzlebigkeit unserer Zeit setzen sie, sehr spannend, eine Art KURZ-Lebigkeit entgegen, nämlich ein Ideenfeuerwerk, das die Kreativköpfe des Unternehmens gemeinsam mit Trendforschern aus der aktuellen gesellschaftlichen Strömungsrichtung herausfiltern. Die jeweiligen, einzelnen Trends, die sie so finden, nehmen in der Box-in-Box-Designkollektion Form an und dürfen Verpackungsgestaltern als Inspirationsquelle dienen. Annie Kuschel, Head of Design Management Graphic Industry der LEONHARD KURZ Stiftung & Co. KG, beschreibt die Impulse hinter der letzten Kollektion ihrer avantgardistischen Umhüllungen mit anrührenden Begriffen wie „Maskenball der digitalen Rebellen“, „Die Lust an einer neuen Dimension“, „Die Magie der Phantasie“ und „Die Gier nach dem satten Leben“. Sie rät jedem Designer dazu, sich vom Experten beraten zu lassen, sei es nun vom Folienhersteller selbst oder einem erfahrenen Produktioner: „Oft kennen Designer nur die gängigen Verfahren, flach geprägt mit Gold und Silber, was natürlich gut eingesetzt ein echter Hingucker sein kann.“ Aber – es lebe die Vielfalt! „Relief geprägt, tiefgeprägt, mehrstufig tief geprägt, mit Micro- oder Nanosturktur, metallisierte Folien, holografische Folien und ganz neu und jetzt schon der Renner: die semitransparenten Folien Lumafin.“

Dabei geht es KURZ immer auch darum, Veredelungstechniken anzubieten, mit denen sich der Charakter von Marken ganz individuell herausarbeiten lässt – für Paperkate also das perfekte Spielfeld, wenn sie mit Papier und Druckveredelung spürbar Wirkung erzielen möchte. Da war doch diese Mappe für die PROUT AT WORK-Foundation, speziell entworfen, um damit Unternehmen zu begrüßen, die sich als ProutEmployer in Zukunft für das Thema Diversity aktiv einsetzen. Wenn Katja Knahn über dieses Produkt spricht, das sie gemeinsam mit der Designerin Liane Zimmermann entwickelte, kommt sie schnell zum Unterschied zwischen luxuriösem Glanz und schlichter Wertschätzung, den sie bei der Herstellung umzusetzen versuchte. Da spürt dann auch der Nicht-Produktioner sofort, wie innovative Veredelungstechniken Design beeinflussen. Und warum Design berührt – buchstäblich.


PAPERKATE

Katja Knahn lernte Schriftsetzerin und studierte an der HTWK Leipzig mit Diplomabschluss in Verlagsherstellung. Sie berät als freiberufliche Produktionerin Agenturen, Verlage und Gestalter an der Schnittstelle zwischen Kreation und Druckerei. Als produzierende Freiberuflerin legt sie den Fokus ihrer Arbeit auf intelligentes Produktions- und Projektmanagement mit technisch-konzeptioneller Beratung und Begleitung. 

LEONHARD KURZ Stiftung & Co. KG


Begonnen hat KURZ vor 120 Jahren mit der Blattgoldherstellung, inzwischen wurde daraus das weltweit führende Unternehmen der Heißpräge- und Beschichtungstechnologie. Mit 4.500 Mitarbeitern in elf Werken in Europa, Asien und den USA, 24 internationalen Niederlassungen und einem weltweiten Netz an Vertretungen und Verkaufsbüros fertigt und vertreibt die KURZ-Gruppe eine umfassende Produktpalette.
KURZ entwickelt und produziert auf Trägerfolien applizierte Dekorations- und Funktionsschichten für verschiedenste Einsatzgebiete: metallisierte, pigmentierte und holografische Prägefolien für Verpackungen oder Printprodukte, Oberflächenfinishes für Elektronikgeräte oder Automobilteile, Schutz- und Dekorlacke für Möbel oder Haushaltsgeräte, Echtheits-Kennzeichen für Markenartikel, Metallic-Applikationen für Textilien und differenzierte Beschichtungen für viele weitere Anwendungen.

Autorin

Sigrun Borstelmann

Sigrun Borstelmann begeistert sich für alles rund um Publikationen. So arbeitet sie als freie Texterin und Lektorin, kümmert sich als Projektmanagerin aber auch um die komplette Abwicklung von Printmedienproduktionen.

Weitere MCBW STORIES

  • Landkreis Miesbach
    Partnerregion der MCBW 2019

  • Stadt 4.0
    Von einer neuen Urbanität im Zeichen der digitalen Transformation

  • Gesund(heit) gestalten
    Biophilic Design am Beispiel »Das Neue Hauner«


Hat Ihnen die Story gefallen? Haben Sie Fragen oder Anmerkungen dazu? Melden Sie sich gerne bei uns.

bayern design Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Landeshauptstadt München if design bmw group steelcase stroeer IHM Internationale Handwerksmesse Region Landshut bayern design Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Landeshauptstadt München if design steelcase stroeer IHM Internationale Handwerksmesse Region Landshut
Das Programm der MCBW wächst kontinuierlich. Änderungen bleiben selbstverständlich vorbehalten.
Für Bilder, Texte und Inhalte der einzelnen Veranstaltungen auf dieser Webseite sind ausschließlich die jeweiligen Veranstalter verantwortlich.