Wo sich Schönheit, Gestaltungswille und Innovationslust begegnen

Natürlich ist es schön im Landkreis Miesbach, der Partnerregion der MCBW 2019: Die Ausläufer der Münchner Schotterebene im Norden wandeln sich südwärts ins Voralpine, dann ins Alpine und ziehen hinauf bis nach Tirol. Zwischen Schotterebene und Alpen breitet sich eine ursprüngliche Moränen- und Seenlandschaft aus. Hier locken die Tourismusmagneten: der Schlier-, der Tegern- und der Spitzingsee. 

Zukunft braucht Herkunft

Schon die Kelten, dann die Römer siedeln hier. Später wächst aus einer Eremitage in Bayrischzell die reiche, klösterliche Kultur im Landkreis. Um 770 wird das Benediktinerkloster am Schliersee als »Zelle am Slyrse« erstmals erwähnt. Das Kloster Tegernsee ist wegen seiner exzellenten Buchmalerei weit über die Region hinaus bekannt. 1803 beendet die Säkularisation ein Jahrhunderte währendes Kapitel Klosterkultur. König Max I. Joseph wählt das Kloster Tegernsee als Sommerresidenz und nimmt ein Jahr später auch noch Wildbad Kreuth dazu. Damit zieht nicht nur der König, sondern auch der Fremdenverkehr ins Tegernseer Tal ein.

Jahrhunderte gehen ins Land: Auf den Weiden grast das Süddeutsche Höhenfleckvieh. Artenreicher Magerrasen, Niedermoore und Streuwiesen geben hier einer großen Zahl der in der Roten Liste Bayerns aufgeführten Farn- und Blütenpflanzen Heimat. Die Almen entwickeln sich zu Zentren der Biodiversität. Anspruchsvolle Naturschutzziele werden mit Aufmerksamkeit und durch fruchtbare Kooperationen mit bäuerlichen Familienbetrieben, der Almwirtschaft, der Land- und Forstwirtschaft nicht nur angestrebt, sondern auch erreicht. Ja, es ist schön im Landkreis Miesbach. Damit das so bleibt, werden auch ehrgeizige Klimaschutz- und Energieziele verfolgt: Bis 2035 soll nur noch so viel Energie verbraucht werden wie an erneuerbarer Energie im Landkreis produziert wird: So generiert eine Idylle Zukunft!

Gegensätze, die zusammenwirken

Ökologische Schönheit und wirtschaftliche Attraktivität sind häufig schwer miteinander zu vereinbaren. Anders im Landkreis Miesbach. Hier erzählen zahlreiche, erfolgreiche Unternehmen von der Leistungs- und Innovationsfähigkeit im Oberland. Ein gesunder Branchenmix, der starke Mittelstand, zahlreiche kreative und innovative Unternehmen machen den Landkreis zum wirtschaftlich attraktiven Standort. 

Ein Pop Up Innovationshub fürs Oberland

Seit 2007 moderiert die Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) zwischen Unternehmen, kommunalen Behörden, politischen Gremien und den Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises. Sie entwickelt Plattformen für Kooperationen, knüpft Netzwerke, erfindet neue, spannende Formate für Begegnung, Austausch und Kollaboration. Vom 15. bis 16. März 2019 entsteht in der Büttenpapierfabrik Gmund ein Pop Up Innovationshub – ein Ort, an dem für die Zukunft geprobt, experimentiert, gelernt und gestaltet werden kann. Anders als bei herkömmlichen Branchenevents stellt sich hier jeder Besucher sein eigenes Programm zusammen. Je nach Gusto können Teilnehmer beim »Dinner with Strangers« netzwerken, Talente beim »Business Speed Dating« entdecken oder in der Coworking Area arbeiten. Wem der Sinn eher nach Inspiration und Bewegung steht, der wandert auf einer geführten Tour um den Tegernsee oder nimmt an einer Yogaklasse teil. Ob Handwerker, Philosophen, Digitalpioniere, Designer oder Manager - das Pop Up Innovationshub bietet jedem Besucher die Chance auf neue Erkenntnisse, Entdeckungen und Kontakte.

Christoph Böninger

Radikal subjektiv

Am Auerberg, im Landkreis Miesbach lebt und arbeitet der Industriedesigner Christoph Böninger. 1982 entwirft er den ersten Laptop – weltweit (Dem Modell begegnen Sie in der Pinakothek der Moderne in München). Silicon Valley, New York, München sind weitere seiner Stationen. 2010 gründet Christoph Böninger mit Freunden und Weggefährten ein Designlabel, das jenseits aller Marketingstrategien, industrieller Normen oder Trends und Moden, nur den Ansprüchen der Designer genügen soll. Es heißt »AUERBERG«. Der Claim lässt keine Zweifel. Er lautet: Radikal subjektiv. Zur Gruppe der AUERBERG-Gestalter zählt eine Reihe renommierter internationaler Designer und Architekten, etwa Herbert Schultes, Alfredo Häberli, Fritz Frenkler, Emanuela Frattini-Magnusson, Tobias Grau, Daniele Dalla Pellegrina und Initiator Christoph Böninger.

Wir kamen mit ihm ins Gespräch über die Wirkung von Stadt und Land als Umfeld für Designer.

Eine Unternehmung wie »AUERBERG« vermutet man eher im urbanen Raum. Inwiefern unterstützt die Verortung im ländlichen Raum, das Finden und Verwirklichen von Ideen? 

Darüber haben wir hier im Oberland auch bei den MCBW-Symposien viel gesprochen. Natürlich gibt es die Anziehungskraft der Stadt – alle Augen richten sich auf München. Umgekehrt zielt eine verklärende, schwärmerische Sehnsucht aufs Landleben. Tatsache ist, dass es einen Unterschied macht, ob man beim Arbeiten auf einen Supermarkt schaut oder auf einen Baum. Die »Landarbeit« zwingt zur Konzentration, sie fordert die Auseinandersetzung mit sich selbst, mit dem »eigenen Ding«. Da gibt es keine Ausflüchte. Professor Wilhelm Vossenkuhl hat das bei einem Symposium auf den Punkt gebracht: »Die Stadt zerzaust Kreativität.«

Gibt es Beispiele für diese Art der fokussierten Kreativität?

Jede Menge. Stellen Sie sich einen jungen Schnapsbrenner vor, dem auf einer Schottlandreise, die landschaftliche Ähnlichkeit zwischen Schottland und Oberbayern ins Auge fällt, die Wälder, das Wasser, die Luft, er hat damals, glaube ich, auch den Sturkopf der Einheimischen erwähnt. Der Destilliermeister, Florian Stetter, kommt zurück und sagt: Wir haben hier alles, um einen hervorragenden Whiskey zu brauen. Und dann macht er das. Im Oberland, am Schliersee. Der Whiskey heißt SLYRS. Er wird weltweit geschätzt. Oder die Universal-Kreativen Thomas und Martin Poschauko. Sie passen in keine Schublade, springen lustvoll zwischen Design, freier Kunst und Consulting hin und her. In ihrem Gepäck wartet immer das Überraschende auf den passenden oder unpassenden Moment. Darüber freuen sich Unternehmen wie die Deutsche Post, MetaDesign oder Sony Music. Oder denken Sie an Nils Holger Moormann, der seine minimalistischen, »fleckviehinspirierten« Möbel kompromisslos regional produziert – dafür aber weltweit vertreibt.

Wenn Sie Richtung Zukunft denken, auf welche Projekte freuen Sie sich besonders?

Gerade komme ich von einem Workshop der iF Design Foundation. Im April 2018 wurde sie gegründet mit dem Ziel, Design und insbesondere seine soziale Bedeutung – frei von kommerziellen Zwängen – zu fördern. Sie ist außerdem Träger des iF Awards. In der Stiftung haben wir über die Zukunft der Designausbildung nachgedacht. Wir wollen dazu ein Expertenhearing ins Leben rufen. Vom 13. bis 15. März 2019, also während der MCBW-Zeit, wird das erste von insgesamt 6 Hearings in der Büttenpapierfabrik Gmund am Tegernsee stattfinden. Erste Ergebnisse sollen in einer öffentlichen Präsentation in Gmund vorgestellt werden. 

SMG Landkreis Miesbach

Digital Power im vernetzten Land

Die Digitalisierung verändert alles: wie wir denken, wie wir arbeiten, wie wir leben. Ein urbanes Leben? Oder lohnt es sich gerade auf dem Land, die Chancen der digitalen Bewegung zu ergreifen? Wir unterhalten uns dazu mit einer Frau, die es wissen muss: Ingrid Wildemann-Dominguez, Regionalmanagerin für Innovation und Kreativität bei der Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach.

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Autorin

Gabriele Werner

ist als Chief Strategy Officer Geschäftsführerin bei Kochan & Partner. Sie entwickelt Marken, berät Unternehmen und ersinnt holistische Konzepte. »Design ist eine Haltung«, sagt sie. Neben ihrer Leidenschaft für Kreativ-Techniken findet sie Inspiration vor allem in der Natur.

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