Zukunft der Arbeit

Zukunft der Arbeit

#SustainByDesign

Ein Essay von Stefan Rauch

Vom Unternehmen zur Genossenschaft
Wenn New Work konsequent weiter gedacht wird

 

Gehen Sie gerne zur Arbeit? Ja? Schön – ich auch. Haben Sie schon einmal nach dem Warum gefragt? Beim Arbeiten finden wir Bestätigung. Ich kenne das aus dem Mannschaftssport. In einem guten Team bringt jeder seine Kompetenz so ein, dass ein herausragendes Ergebnis entsteht. Ich war beim Fußball immer stolz, wenn wir gewonnen haben und ich einen Beitrag geleistet hatte. Wichtig ist also das eigene Gefühl – »Ja! Ich habe etwas geleistet, das uns weiterbringt.«

Der New-Work-Experte Prof. Carsten Schermuly trennt zwischen strukturellem und psychologischem Empowerment. In Vorträgen, Artikeln und Meetups im Bereich New Work werden häufig strukturelle Maßnahmen diskutiert – Abbau von Hierarchien, neue Raumkonzepte, weniger Prozesse, mehr Verantwortung. Es heißt, New Work bedinge einen kulturellen Wandel. Die strukturellen Maßnahmen bringen diesen aber meines Erachtens nicht.

Unsere Firma gehört seit Mitte des Jahres zu 49% der nurdemteam Genossenschaft. Nur Angestellte der iteratec dürfen einen Genossenschaftsanteil halten. Falls alles klappt, wird die nurdemteam eG bald 100% der iteratec GmbH halten. Das ist auch eine strukturelle Veränderung und mit Sicherheit keine kleine. Wir wissen, dass vor allem unsere Kultur Grundlage dafür ist, dass von Anfang an mehr als 70% der KollegInnen einen nennenswerten Beitrag gezahlt haben, um Mitglied in der Genossenschaft zu werden. Und trotzdem ist uns bewusst, dass wir noch mehr tun müssen. Die Gründungsidee der iteratec aus dem Jahr 1996 hat noch heute Bestand. Durch iterative Arbeit in hoher Eigenverantwortung machen wir bessere Projekte mit besseren Ergebnissen. In meinen 15 Jahren bei iteratec habe ich erlebt, dass der Mensch hier wichtig ist.

Es zählt die Förderung jedes Einzelnen, damit jeder die gebotenen Freiräume nutzt, in seiner Rolle unternehmerisch und eigenverantwortlich tätig ist, möglichst oft die Arbeit »im Flow« erledigt und letztlich zufrieden mit sich, seiner Rolle und seiner Tätigkeit ist.

Das funktioniert meines Erachtens nur,

·         wenn alle KollegInnen das Zutrauen zu sich haben, ihre Aufgaben zu beherrschen.

·         wenn alle ihre Tätigkeit als bedeutsam für sich, das Unternehmen oder sogar die Gesellschaft ansehen.

·         wenn alle ihrer Tätigkeit selbstbestimmt nachgehen können und entscheiden, was sie wann und wie erledigen.

·         wenn alle davon überzeugt sind, dass sie den nötigen Einfluss auf ihre Aufgaben nehmen können.

Diese vier Aspekte im Zusammenspiel bestimmen über das Wohlbefinden der KollegInnen in ihrer Rolle / Tätigkeit im Unternehmen. Kommt alles zusammen, dann hat man ein starkes Team und vermutlich einen Coach wie Jürgen Klopp. :-)

Ich möchte dabei eines herausheben: Jeder Mensch hat einen anderen Mix dieser vier Aspekte und muss entsprechend unterschiedlich gefordert und gefördert werden. Um herauszufinden, wie wir das verbessern können, hole ich mir Ideen und Feedback bei möglichst vielen interessanten Menschen und Firmen. Ich würde mich also sehr freuen, mich bei der MCBW 2020 auch mit Ihnen dazu auszutauschen.

 

Stefan Rauch ist Digital Innovation Officer und Teil der Geschäftsleitung bei iteratec GmbH.

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