Zukunft der Digitalisierung

Zukunft der Digitalisierung

#SustainByDesign

Ein Essay von Roman Gebhard

Agile Perfektion
Wenn Interdisziplinarität als entscheidender Faktor für nachhaltige Transformation erkannt wird

 

Aufgrund eines ausgeprägten Erfindergeistes und der daraus resultierenden technischen Innovationen haben sich in Europa seit der Industrialisierung starke Marken erfolgreich etabliert. Seitdem ist bei uns Innovation dadurch geprägt, ein Grundprodukt technisch immer weiter zu perfektionieren.

Dieser Ansatz, Produkte stets weiterzuentwickeln, macht es Firmen und Mitarbeitern einfacher, den Prozess zu planen und zu lenken. Die Kunden wiederum können sich auf ein lange bewährtes Produktportfolio verlassen – sie wissen, was sie bekommen. So hat sich im Laufe der Zeit das Corporate Design von ikonischen Marken und Produkten hier gefestigt.

Mein Studium führte mich Mitte der 90er-Jahre an die Westküste Amerikas, nach San Francisco, ins Epizentrum des Silicon Valley. Dort lernte ich einen ganz anderen Aspekt von Innovation kennen: Alles kann hinterfragt werden, es gibt keine Konventionen, alles ist möglich – just do it! Man war gerade dabei, sämtliche Consumer-Produkte und -Services digital neu zu erfinden und damit verbunden neue, lukrative Geschäftsmodelle zu erschließen.

Heute erleben wir bei uns in Europa, wie diese beiden unterschiedlichen, kulturell geprägten Ansätze von Innovation aufeinandertreffen, sich ergänzen, aber auch zur Herausforderung werden können. Das disruptive Potenzial dieser neuen Welt hat mittlerweile alle erfasst, globale Marken und Hersteller, aber auch Mittelständler im Maschinenbau, die fern solcher digitaler Entwicklungen zu sein schienen.

Es ist essenziell, sich mit dem Thema digitale Transformation auseinanderzusetzen. IoT und die immer dichtere Vernetzung bieten heute insbesondere Firmen, die durch ihre technisierten Produkte erfolgreich geworden sind, neue Möglichkeiten. Machine Learning und KI erlauben es, dank gigantischer Datenmengen Muster zu erlernen, mit deren Hilfe sich die Usability von Produkten und Services verbessern lässt. Für uns als Designer gilt dabei, die gesamte Customer Journey zu gestalten und zusätzlich Chancen aufzudecken, erweiternde, digitale Services und neue, nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Im Prozess der Digitalisierung kommt der Design Profession eine zentrale Funktion zu: Es gilt, umfassend, ergebnisoffen und mit Kreativität an dieses wichtige Thema heranzugehen. Die digitale Transformation ermöglicht es uns auch, „alte Zöpfe“ abzuschneiden, aus Erfahrungen, aktuellen Abläufen und von unseren Nutzern zu lernen, um darauf basierend Prozesse neu zu konzipieren.

Dies funktioniert meiner Meinung nach nur in einem Team-Setup, in dem verschiedene Backgrounds und Kompetenzen an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Dabei ist es enorm wichtig, dass bei jedem der Teilnehmer bereits im Kopf ein Umdenken stattgefunden und er das neue Verständnis der Innovationskultur verinnerlicht hat. Nur so kann Transformation in die Realität umgesetzt werden.

 

Roman Gebhard ist Co-Founder & Managing Partner FLUID Design GmbH.

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