Zukunft der Kommunikation

Zukunft der Kommunikation

#SustainByDesign

Ein Essay von Mara Recklies

Lost in Überflutung
Wenn aus Kommunikation wieder gute Gespräche werden

 

Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat sich unsere Kommunikation radikal geändert. Welche Änderungen stehen uns noch bevor?

Es scheint, als sei die Transformation des Menschen zum kommunizierenden Hybriden kaum aufzuhalten. Leichte Kommunikationsgeräte wie Virtual-Reality-Headsets oder Smart Necklaces werden das Smartphone ablösen, bis wir die neuen Kommunikationstechnologien als Chip unter der Haut tragen. Oder gleich mit elektronischen Impulsen unseres Gehirns kommunizieren, die von Implantaten oder Elektroden übersetzt werden. Der Mensch entwirft sich selbst als multisensorisches Kommunikationsgerät. Werden wir Informationen riechen, Nachrichten schmecken und Grüße auf der Haut fühlen können?

Schon jetzt brechen Sprachassistenten das Primat des Visuellen auf: Text war gestern. 360°-Videostreaming und Virtual Reality wird eine immer größere Rolle spielen, physische Anwesenheit sukzessiv durch virtuelle ersetzt werden. Die Lebensbereiche werden weiter vernetzt, die Grenzen zwischen privater und öffentlicher Kommunikation, Informationen und Werbung verschwimmen weiter. Zielgerichtete Kommunikation wird uns in einem noch größeren Ausmaß als bisher dazu bringen, Trends zu folgen, zu konsumieren.

Wird ein Großteil des Kommunizierten zukünftig strategisches Content Marketing sein? Welchen Einfluss wird das auf Gesellschaft, soziales Miteinander, die Politik haben? Was passiert, wenn nicht mehr Menschen die Kommunikationskanäle speisen, sondern nur Chatbots und Algorithmen? Und werden uns auch zukünftig in erster Linie Kommunikationsmöglichkeiten angeboten, mit denen deren Anbieter Daten über uns sammeln können? Wir brauchen dringend bessere Mittel, die Datenspuren, die unsere Kommunikation hinterlässt, vor unerwünschten Zugriffen zu schützen. Doch nicht nur das. Die Frage, wie wir uns vor der Kommunikation anderer schützen, wird auch zukünftig eine zentrale Rolle spielen. Donna Haraways Utopie vom Cyberspace als safe space wurde von der Gegenwart überschrieben. Wird es ein Design geben, das virtuelle Räume entwirft, die frei sind von Fake News, Shitstorms und Cyberbullying?

Wird das Kommunikationsdesign der Zukunft Menschen eher voneinander entfremden oder einander näherbringen? Schon heute ermöglichen digitale Simultanübersetzer sprachliche Kommunikation, wo zuvor Verständigung unmöglich war. Die automatisierte Übersetzung aller Informationen wird fortschreiten. Wird sie für Verständigung oder Verwirrung sorgen? Wie wird sich dann lost in translation anfühlen? Wer wird von Inhalten überflutet, wer von ihnen abgeschnitten sein? Die Weltbevölkerung wird sich spalten. In einen Teil, der Zugang zur kommunikativen Infrastruktur hat, und einen, der von ihr abgeschnitten ist. Werden wir dagegen aufbegehren, laut sein?

Vielleicht wird Design in irgendeiner fernen Zukunft dazu beitragen, wieder eine Art der Kommunikation zu ermöglichen, die in Vergessenheit geriet: sich auf die Schulter klopfen, in die Augen schauen, gute Gespräche zu führen. Nicht Profile ansehen, sondern Menschen. Ohne dabei mit Nachrichten, Werbebotschaften, Informationen überflutet zu werden ...

 

Mara Recklies ist Philosophin.

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