Zukunft der Städte

Zukunft der Städte

#SustainByDesign

Ein Essay von Ole Schilling

Identifikation durch Co-Creation
Wenn aus Partizipation Nachhaltigkeit wird

 

Digitalisierung als Chance städtischer und regionaler Entwicklung

Westliche Städte verdichten sich durch Zuwanderung, andere Regionen dünnen aus. Diese Entwicklung bringt Herausforderungen in allen Bereichen mit sich: Mobilität, Gesundheit, Bildung, Verwaltung, Ressourcenmanagement. Die Digitalisierung erscheint den meisten Gemeinden als Chance, dem Trend zu begegnen. Etwa indem sie die Verwaltungsabläufe optimieren und so effizienter arbeiten oder indem sie den Verkehrsfluss verbessern, um nachhaltige Mobilität zu ermöglichen. Die positive Auswirkung auf die Luftqualität steigert zugleich die Lebensqualität der Bürger. Tatsächlich haben aber die wenigsten dieser Städte und Regionen bereits eine Strategie, wie sie die Herausforderungen angehen und die Digitalisierung dafür nutzen können. Das hat mehrere Gründe. Zum einen nehmen die relevanten Stakeholder zu. So haben z.B. 54% der Bürger in westlichen Ländern den Anspruch, an der Entwicklung Ihrer Stadt zu partizipieren. Zum anderen fehlen der städtischen Verwaltung Kompetenzen und Ressourcen in Form von Fachkräften. Hinzu kommt die Unsicherheit, welche Optionen und Risiken der Umgang mit Daten im städtischen Kontext mit sich bringt.

Co-kreativ einfacher zum Ziel

Welche Rolle kann Design in diesem Kontext spielen? Ein entsprechender Ansatz ist relativ neu und etabliert sich über eine partizipative und agile Annäherung, nämlich über sog. CoCreation. Sie bindet Stakeholder inkl. der Bürger in den Entwicklungsprozess ein, um die relevantesten Themen frühzeitig zu identifiziert. Das reduziert die Komplexität und erhöht gleichzeitig die Nachhaltigkeit, da die Entwicklung auf den Bedürfnissen der Stakeholder basiert. Das Risiko, in der Implementierung zu scheitern, wie es bei 74% der IoT-Projekte im digitalen Kontext passiert, ist dadurch deutlich minimiert. Der Ansatz unterstützt Städte und Regionen dabei, Lösungen zu entwickeln, und beinhaltet Aus- und Weiterbildung der Verwaltung (CoCreation Training & Toolbox) sowie den Zusammenschluss zu Städtegemeinschaften im Co-Creation-Programm. Die entstandenen „Developer Communities“ gehen schließlich Herausforderungen gemeinschaftlich und synergetisch an.

Partizipation als Bremsklotz?

Der partizipative Ansatz zeitigt nicht nur wirtschaftliche Erfolge, sondern steigert auch die Zufriedenheit der Bürger. Die Weiterempfehlungsrate von Städten und Gemeinden liegt bei 87% (NPS 47). Diese Ergebnisse sind definitiv Entwicklungssprünge für eine Stadt oder Region, meist jedoch evolutionär oder inkremental verglichen mit denen in asiatischen Ländern ohne föderalistische Grundlage. Die genannten Herausforderungen, vor denen westliche Städte und Regionen stehen, fordern jedoch disruptive Innovationen. Nur: Lassen Partizipation und föderalistische Strukturen im öffentlichen, städtischen und regionalen Bereich das überhaupt zu?

 

Ole Schilling ist VP Market Development Smart Cities & Regions, T-Systems International GmbH.

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