EIN NEUER BLICK AUF EINE ALTE IDEE

EIN NEUER BLICK AUF EINE ALTE IDEE

MAGAZIN x Erik Spiekermann x Urwahn

Der Möbelhändler MAGAZIN zeichnet sich durch Haltung, Idee und Konzept aus. Neben Einrichtungsgegenständen führt er auch Produkte für unterwegs und bekennt sich zu seiner großen Liebe zum Fahrrad. In Zusammenarbeit mit dem renommierten Designer und Typografen Erik Spiekermann sowie dem E-Bike-Hersteller Urwahn entwickelte MAGAZIN ein einzigartiges E-Bike, bei dem ein gestalterisches Augenzwinkern zum Konzept gehört.

So ganz kann man sich des Gedankens nicht erwehren: »Wer E-Bike fährt, der schummelt!« Das Fahrrad ist schließlich ein Fortbewegungsmittel, das auf die Kraft des Menschen zurückgreift. Mehr noch, es zeigt, wozu er imstande ist: Nicht nur, was die körperliche Leistung angeht, auch technisch trifft beim Fahrrad die Physik auf Ingenieurskunst. Dieses Prinzip erfuhr in den vergangenen 150 Jahren zahlreiche Updates: Bremsen, Schaltung, Rahmen wurden besser, doch das Grundprinzip blieb bestehen. Auch das E-Bike greift es auf und verstärkt die simple Idee des Fahrradfahrens mit elektrischem Antrieb.

Paradigmenwechsel auf dem Radweg

Dass das E-Bike einen rasanten Boom erlebt hat, freut Sebastian Meinecke, den Geschäftsführer und Marketing Director bei Urwahn Bikes. Seine Magdeburger Manufaktur gehört seit der Gründung 2013 zu Deutschlands Innovationen in Sachen E-Bike. »Wir sind angetreten, um die innerstädtische Mobilität auf links zu krempeln«, so Meinecke. Er räumt E-Bikes einen neuen Stellenwert ein; längst sind sie nicht mehr nur das Fortbewegungsmittel für all diejenigen, die sich körperlich nicht mehr viel zutrauen. Die Mobilitätswende habe für einen Pradigmenwechsel gesorgt, das E-Bike werde heute ernstgenommen, weil es den Aktionsradius eines herkömmlichen Fahrrads erheblich erweitere.

Das von ihm entwickelte Modell »Platzhirsch« verbindet diese neue Denke mit disruptiven Ansätzen in Design und Funktionalität. Für die Herstellung wandte er die Technologie des 3D-Drucks an und ermöglicht so die Abkehr von der klassischen Form des Fahrrads, des sogenannten Diamantrahmens. Indem das altbewährte, statische Prinzip aufgebrochen wird, verzichtet der Hersteller zwar auf das klassische Sattelrohr, doch gewährleistet so, dass der Sattel viel dynamischer und komfortabler wird – vergleichbar mit einem Freischwinger. Urwahn druckt mit Stahl und baut mit diesem Material auf die Tradition des Fahrradbaus auf. Der Akku ist dabei in den Rahmen integriert und nicht sofort sichtbar. Möglich ist die Herstellung auch durch die Verfügbarkeit relativ günstiger, leistungsstarker Lithium-Ionen-Akkus, die den Boom der E-Bikes befeuerte.

Die Handschrift des Chefs höchstselbst

Der Designer Erik Spiekermann hatte sich damit wenig beschäftig, ist er doch passionierter Radrennfahrer, der mit Vorliebe über seine Touren durch die Dolomiten und die Vorteile eines Single-Speed-Bikes referiert. Sein Herz schlage für italienische Rennrad-Klassiker, deren knallbunte Designs oft von den Chefs selbst stamme. Spiekermann hält sie für kitschig, bewundert aber ihren historischen Ursprung und willigt ein, dem »Platzhirsch« seine eigene Handschrift zu verpassen. »Einen Rahmen zu veredeln ist für einen Gestalter eine spannende Aufgabe, denn du hast ja kaum Fläche!«

Die Syntax einer Gestaltung sichtbar machen

Statt die Form der Funktion folgen zu lassen, soll sie sie sprichwörtlich erklären: »Ich habe bei solchen Geschichten ein Prinzip: Ich möchte die Syntax einer Gestaltung sichtbar machen, die Maße, die Zahlen«, so Spiekermann. Bei einem Fahrrad ergebe dieser Ansatz einen doppelten Sinn, da die Größenverhältnisse beim Rahmen von zentraler Bedeutung seien. So entschied er, die Rohre zu beschriften und das Grundprinzip des »Platzhirsch«  zu erklären. Für Meinecke passte das wie die Faust aufs Auge: »Wir kommen aus der Technik, sind Innovationsvorreiter. Erik hat da eine sehr schöne Attitüde reingebracht, die das moderne Konstrukt unseres Bikes auf den Boden der Tatsachen zurückbringt.« Die Farben sorgen für neue Interpretationsräume: leuchtendes Verkehrsorange als Verbeugung vor der städtischen Infrastruktur und ihren Arbeiter*innen, Kieselgrau, um den urbanen Lebensraum widerzuspiegeln. Es mag selbstbewusst sein, nicht etwa Grün als Farbe der Mobilitätswende zu wählen, doch der »Platzhirsch« ist eben gekommen, um den Status quo infrage zu stellen.

Am 18. Mai 2022 um 19:30 Uhr geben MAGAZIN Produktentwickler Einblicke in den Entstehungsprozess von MAGAZIN Produkten in Kooperationen mit anderen Designer*innen, getreu dem Motto »Geht nicht gibt’s nicht«.

Mehr Informationen zu MAGAZIN unter www.magazin.com

Text: MAGAZIN; Bearbeitung für das Online-MAGAZIN der MCBW 2022 Sonja Pham und Katrin Engelmann.

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